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Legitimation und bessere Reputation der Unternehmensaufsicht durch systematische EvaluierungLEGITIMATION UND BESSERE REPUTATION DER
UNTERNEHMENSAUFSICHT DURCH SYSTEMATISCHE
EVALUIERUNG

23.06.2010

Werner Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Contrast Management-Consulting und Universitätsprofessor am Institut für Unternehmensführung der Wirtschaftsuniversität Wien, sieht in einer systematischen Evaluierung von Aufsichtsräten einen zentralen Hebel zur Professionalisierung der Unternehmensaufsicht. Ein Grund für eine verbesserte Evaluierung von Aufsichtsräten ist aus Sicht von Hoffmann die Erkenntnis, dass eine systematische und transparente Evaluierung der Effizienz und Effektivität von Aufsichtsorganen eine notwendige Voraussetzung dafür ist, eine deutlich bessere Bezahlung für Aufsichtsräte zu legitimieren.

 

Nachdem in Österreich im internationalen Vergleich Aufsichtsräte deutlich zu wenig verdienen, ist dies für die Professionalisierung der Aufsichtsratstätigkeit von besonderer Bedeutung. „Wir wissen, dass gerade Aufsichtsräte entscheidend für den Unternehmenserfolg mitverantwortlich sind. Eine entsprechende Honorierung ihrer Tätigkeit ist somit mehr als ein Hygienefaktor, denn gute Aufsichtsräte sollten allen Stakeholdergruppen des Unternehmens etwas Wert sein“, so Hoffmann pragmatisch. Er beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Thema „Corporate Governance/Aufsichtsrat“. Gemeinsam mit Susanne Kalss, Professorin am Institut für Zivil- und Unternehmensrecht der WU, und Viktoria Kickinger, Initiatorin von INARA – der Initiative für Aufsichtsräte in Österreich –, hat er das „Governance Excellence“ Ausbildungsprogramm für Aufsichtsräte der WU Executive Academy erfolgreich etabliert.

 

Aspekte der Evaluierung: Auswahl-Weiterbildung-Vergütung-Arbeitsorganisation

 

Nach der Etablierung eines maßgeschneiderten Ausbildungsprogramms für Aufsichtsräte ist für Hoffmann das Thema der systematischen Evaluierung der Wirksamkeit von Aufsichtsräten der nächste wichtige Schritt zur weiteren Professionalisierung der Unternehmensaufsicht. Kernelement der Evaluierung von Aufsichtsräten muss die systematische jährliche Selbstevaluierung der Aufsichtstätigkeit durch die Aufsichtsräte selbst sein. Eine derartige Selbstreflexion wird bereits heute vom Österreichischen Corporate Governance Kodex (ÖCGK) als Comply-or-Explain-Regel empfohlen. Internationale Studien zu diesem Thema belegen jedoch, dass die Praxis in vielen Unternehmen in Österreich noch weit hinter dem Anspruch zurück bleibt. In einer kürzlich veröffentlichten Studie1 ist Österreich im Aspekt der Evaluierung von Aufsichtsräten gemeinsam mit Portugal und Belgien weit abgeschlagen im europäischen Vergleich.

 

In dem Evaluierungsmodell, das Hoffmann vorschlägt, werden Aufsichtsräte in die Lage versetzt, die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit in den 4 Bereichen Auswahl und personelle Besetzung, Skill-Set und Weiterbildung, Vergütung sowie Arbeitsorganisation systematisch zu bewerten und in der Gruppe zu diskutieren.

 

Das Modell soll insbesondere dem Aufsichtsratsvorsitzenden ein Werkzeug zur kontinuierlichen Verbesserung der Effizienz und Effektivität der Gremientätigkeit an die Hand geben. Darüber hinaus, so Hoffmann, könnte die transparente Darstellung der Evaluierungsergebnisse und der daraus abgeleiteten Verbesserungsvorschläge nicht nur das Vertrauen aller Stakeholder in die Aufsicht stärken, sondern auch eine marktgerechte Vergütung der Aufsichtsratstätigkeit legitimieren helfen. Daher sollte eine systematische Evaluierung der Aufsichtsratstätigkeit aus Sicht von Hoffmann längerfristig zu einer gesetzlichen Verpflichtung erhoben werden.