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Strategic Performance Test 2014STRATEGIC PERFORMANCE TEST 2014

09.09.2014
Innovation als Erfolgsrezept österreichischer Unternehmen

Wie schon 2013 kürt der österreichische Strategieberater Contrast Management-Consulting auch dieses Jahr Binder+Co zum Gewinner des alljährlichen Strategic Performance Tests. Das Unternehmen setzt sich vor Do&Co und Andritz durch. Für Studienautor Werner Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Contrast Management-Consulting und Vorstand des Instituts für Strategisches Management an der WU Wien, belegt das Ergebnis klar, dass der Erfolg österreichischer Unternehmen in zunehmenden Maß von Innovation und internationalem Wachstum abhängig ist.

 

Innovation und Qualitätsführerschaft – der Antrieb österreichischer Exporte

Der steirische Maschinen- und Anlagenspezialist Binder+Co, das Cateringunternehmen Do&Co sowie der Technologiekonzern Andritz haben trotz ihrer unterschiedlichen Branchen eines gemeinsam: Sie haben es geschafft, sich durch innovative Produkte und Geschäftsmodelle eine herausragende, internationale Positionierung im Wettbewerb zu sichern. Damit sind sie trotz oftmals nachteiliger Kostenstruktur in der Lage, sich am internationalen Markt durchzusetzen. „In einem Hochlohnland wie Österreich müssen Qualität und Innovationskraft deutlich im Vordergrund stehen. Auf einen Preiskampf sollte man sich keinesfalls einlassen“, argumentiert WU-Strategieexperte Thomas Maidorfer, der mit Patrick Schwarzl, Berater bei Contrast Management-Consulting, an der Studie zum Strategic Performance Test gearbeitet hat. Beide Experten sind sich einig: „Alle drei Unternehmen zeichnen sich durch klare Zukunftsstrategien basierend auf Innovation und Qualitätsführerschaft aus. Ihre Investitions- sowie Akquisitionstätigkeiten sind stimmig und strategisch gut durchdacht.“

 

Standort Österreich nutzen und fördern

Das Ergebnis des Strategic Performance Tests 2014 ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen Standortdiskussion in Österreich interessant. Experten bemängeln immer häufiger die relativ hohen Energie- und Arbeitskosten sowie die restriktive Umwelt- und Steuerpolitik. Die Performance der diesjährigen Gewinner zeigt, dass man mit innovativen Ideen und Produkten durchaus nachhaltig vom Standort Österreich aus international erfolgreich sein. So bietet zum Beispiel Binder+Co weltweit als erstes Unternehmen eine Technologie zur optischen Glassortierung nach Farben und Fremdstoffen an. Do&Co besticht durch unvergleichliche Konzepte im Flug- und Eventcatering und beweist damit, dass Innovationskraft nicht nur in High-tech Industrien wichtig ist, während Andritz weltweit richtungsweisende Technologien für Wasserkraftwerke und die Papier- und Zellstoffindustrie liefert. Voraussetzung für internationalen Erfolg heimischer Unternehmen ist, dass man die Potenziale des Standorts, nämlich gut ausgebildete Arbeitskräfte und ausgezeichnete Infrastruktur, konsequent für nachhaltig profitables Wachstum nützt und das eigene Geschäftsmodell rechtzeitig an geänderte wirtschaftliche und technologische Rahmenbedingungen anpasst. Gerade hier sieht Professor Werner Hoffmann die Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen für ein innovationsfreundlicheres Umfeld zu schaffen: „Die Topunternehmen zeigen es vor. Langfristig wird Österreich seinen Wohlstand nur durch Innovationen absichern können. Dafür brauchen wir aber mehr Mittel für Forschung und Bildung. Außerdem müssen der Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft verstärkt gefördert werden und die Rahmenbedingungen für Start-up Unternehmen hinsichtlich Finanzierung und Regulierung (insb. Arbeitsrecht und Gewerbeordnung) deutlich verbessert werden.“

 

Die Gewinner

Die Autoren haben für die 3-Jahreswertung 55 an der Wiener Börse gelistete Unternehmen anhand bewährter Performanceindikatoren (Spread, Eigenkapitalrentabilität, Total Shareholder Return und Wachstum) untersucht. Die prämierten Unternehmen haben auch schon in den Vorjahren Spitzenpositionen im Ranking eingenommen und bestätigen damit die nachhaltige Erfolgswirksamkeit von durchdachten und gut implementierten Strategien. Auch wenn das Jahr 2013 generell als schwierig einzustufen war, konnten die bestplatzierten Unternehmen solide Ergebniszahlen liefern und an die Ergebnisse der Vorjahre anschließen.

 

Binder+Co – Auf dem Weg vom steirischen KMU zum internationalen Konzern

Binder+Co, bereits 1894 gegründet und im steirischen Gleisdorf ansässig, entwickelte sich zum internationalen Spezialisten für Aufbereitungs-, Umwelt- und Verpackungstechnik. Obwohl das Geschäftsjahr 2013 ergebnismäßig hinter den Vorjahren lag, konnte das Unternehmen abermals sehr solide Zahlen vorweisen. Als Meilensteine der letzten Jahre gelten sowohl die 2012 gegründete Bublon GmbH, zum Vertrieb neuartiger Basismaterialien für die Baustoffindustrie, als auch die Inbetriebnahme eines neuen Vertriebs-, Fertigungs- und Servicestandortes in Tianjin, China, 2013. Nach dem schnellen Wachstum der Vorjahre war das Jahr 2013 laut Geschäftsbericht vor allem auch eine Phase der Konsolidierung. Nun soll der angepeilte Wachstumskurs fortgesetzt werden, um dem geplanten Ziel, der Entwicklung vom steirischen KMU zum internationalen Konzern, einen Schritt näher zu kommen.

Binder+Co vertraut bei dieser ehrgeizigen Expansionsstrategie vor allem auf die technologische Überlegenheit seiner Produkte. Innovation wird im Unternehmen gelebt und gefördert. Für Co-Studienautor Patrick Schwarzl ist klar, dass im Unterschied zu anderen Unternehmen der Fokus auf Innovation bei der Ressourcenwidmung und Maßnamenplanung konsequent umgesetzt wird: „Zahlreiche nationale, als auch internationale Auszeichnungen wie etwa der Best Open Innovator Award als bestes KMU in der D-A-CH-Region sprechen für sich.“ Für den Geschäftsführer der Contrast Management-Consulting, Werner Hoffmann, ist die Tatsache, dass Binder+Co ein Partnernetzwerk mit zahlreichen Universitäten und Forschungsinstituten gegründet hat, ein Beleg für die Bereitschaft sich weiterzuentwickeln und innovativ zu agieren. Damit vermeide man es, erst nachträglich reagieren zu müssen und Entwicklungen nachzueilen.

 

Do&Co – Es geht weiter hoch hinaus

Nachdem sich Do&Co schon in den letzten Jahren konstant unter den besten Unternehmen des Strategic Performance Tests platzieren konnte, gelang diesmal der Sprung unter die Top 3. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem das Geschäftsjahr 2013 mit dem Rekordergebnis von knapp 636 Millionen Euro Umsatz und einer EBIT-Marge von 7,3 %. Alleine im letzten Jahr wurden über 84 Millionen Kunden auf mehr als 550.000 Flügen verköstigt. Neben Airline Catering und internationalem Eventcatering runden Restaurants, Lounges und Hotels das Produktportfolio des Unternehmens ab. Gründer und CEO Attila Dogudan treibt das Wachstum des Unternehmens konsequent voran. So konnten im letzten Jahr renommierte Cateringkunden wie Quatar Airlines, Emirates oder British Airways für neue Projekte gewonnen werden. Das Engagement bei Sportveranstaltungen wurde ebenfalls weiter ausgebaut. Für weiteres Wachstum soll unter anderem auch der Erwerb der französischen Feinkostkette Hédiard sorgen, der im Juni 2014 über die Bühne gegangen ist. Do&Co differenziert sich mit seinem Angebot klar gegenüber seiner Konkurrenz: Innovative Produkte und unverwechselbare Qualität sorgen für eine klare Positionierung im Premiumsegment.

 

Andritz – Weltmarktführer in mehreren Nischen

Der Industrieanlagenbau-Konzern gilt weltweit als führender Lieferant von Anlagen, Equipment und Serviceleistungen für Wasserkraftwerke, die Zellstoff- und Papierindustrie, die Metallindustrie sowie kommunale und industrielle Fest-Flüssig-Trennung. 2013 übertraf das Unternehmen mit 5,7 Milliarden Euro Umsatz abermals den Rekord des Vorjahres. Einziger Wermutstropfen ist eine deutlich gesunkene EBIT-Marge. Für die nächsten Jahre ist das Unternehmen aber gut aufgestellt. Durch Diversifikation und strategische Akquisitionen (z.B. Schuler AG) konnte sich das Unternehmen als Weltmarktführer in allen vier Unternehmenssparten positionieren. Diese Position soll durch kontinuierliche Investitionen in Forschung und Entwicklung abgesichert werden. Mehr als 300 Mitarbeiter sind in den Forschungszentren des Konzerns tätig. Durch innovative Produkte soll das langfristige Ziel erreicht werden, in Zukunft 50 % des Umsatzes im Bereich erneuerbare Energien zu generieren.

 

1-Jahreswertung

In der 1-Jahreswertung gewann die Rosenbauer AG vor Do&Co und KTM. Alle drei Unternehmen hatten 2013 das umsatzstärkste Jahr in ihrer Geschichte. Neben Do&Co zeigen auch Rosenbauer und KTM wie österreichische Spitzentechnologie zu internationalem Erfolg führen kann. Während die Rosenbauer Aktie im Laufe des Geschäftsjahres um 28,7 % stieg, legte KTM sogar um 33,7 % zu. Beide Unternehmen gelten in ihrer Branche als Innovationsführer, investieren aber auch massiv darin, dass dieser Vorsprung erhalten bleibt. Die Premiumprodukte beider Anbieter sind auf den internationalen Märkten hoch gefragt. Während Rosenbauer 2013 erfolgreich einen neuen Standort in Saudi-Arabien eröffnete, konnte KTM durch Kooperationen mit lokalen Partnern stärker den indischen Markt penetrieren.

 

Bankenwertung

Aufgrund branchenspezifischer Kennzahlen wurden Finanzdienstleister in einer separaten Wertung untersucht. Als Sieger dieser Analyse geht die Oberbank hervor, für die das Jahr 2013 trotz des schwierigen Marktumfeldes das Beste ihrer Geschichte war. Auf Platz 2 und 3 folgen die Vienna Insurance Group und die Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV).

 

 

Zum Strategic Performance Test:

Contrast Management-Consulting, der führende österreichische Strategie-, Organisations- und Controllingberater, analysiert seit 16 Jahren die Performance börsennotierter österreichischer Unternehmen. Dieses Jahr besteht das Autorenteam aus Univ.-Prof. Dr. Werner H. Hoffmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Contrast Management-Consulting, Patrick Schwarzl, Berater bei Contrast Management-Consulting und Thomas Maidorfer vom Institut für Strategisches Management an der WU Wien. Die bewährten Kennzahlen zur Performancemessung (Spread, Eigen-kapitalrentabilität, Total Shareholder Return und Wachstum) wurden auch in diesem Jahr beibehalten. Ausgewertet wurden dieses Jahr alle börsennotierten Unternehmen Österreichs auf einer 1- und 3-Jahresbasis. Traditionell gilt der Sieger im 3-Jahres-Ranking als Gewinner, da die Autoren zur strategischen Betrachtung einen längeren Zeitraum als ein Jahr für nötig halten. Im Ranking wurden Finanzdienstleister auf Grund von branchenspezifischen Kennzahlen gesondert bewertet.