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Nachlese: Verwaltung CONtroversNACHLESE: VERWALTUNG CONTROVERS

24.06.2014
Public (Miss-)Management: Wie viel Management braucht die öffentliche Verwaltung?

„Wir wissen, was wir tun sollten. Wir müssen es nur endlich machen!“

 

Am 23. Juni 2014 lud Thomas M. Klein, Partner bei Contrast Management-Consulting, zum dritten Mal zur Diskussionsreihe „Verwaltung CONtrovers“. Eine Diskussionsrunde, die in Kooperation von Controller Institut und Contrast Management-Consulting organisiert worden ist. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, zu der mehr als 80 Personen gekommen sind, stand die aktuelle Frage, ob sich das Management-Verständnis der Privatwirtschaft auf die öffentliche Verwaltung übertragen lässt oder ob ein neues Verständnis für professionelles Managen in der öffentlichen Verwaltung erst entwickelt werden muss. Gerhard Steger, Leiter der Sektion 5 „Finanzen/Finanzausgleich“ des Rechnungshofs, und Bruno Rossmann, Abgeordneter zum Nationalrat der Grünen, boten dem interessierten Publikum einen spannenden Meinungsaustausch.

 

Wirkungsorientierung auf dem Vormarsch

Im Vorjahr trat die wirkungsorientierte Haushaltsführung in Kraft. „Das Aufzeigen von Risiken ist dabei ein Vorteil, denn vorher wurden Warnsignale systematisch ausgeblendet. Die Doppik und das neue Steuerungsverständnis machen es jetzt schwieriger wegzusehen“, argumentiert Gerhard Steger die Chancen, die in der Haushaltsrechtsreform liegen. Anstelle einer reinen Fokussierung auf Ressourcen und Leistungen, tritt nun das Denken und Handeln im Sinne konkreter Ergebnisse und Wirkungen, die messbar und nachvollziehbar sind, in den Vordergrund. Bruno Rossmann wendet dahingehend ein, „dass das nicht das allein Seligmachende ist.“ „Es ist gibt keine Garantie, dass der öffentliche Sektor aufgrund der wirkungsorientierten Steuerung auch tatsächlich effizienter oder effektiver handelt“, äußerte er seine Skepsis. Wichtig sei aber, so die beiden Referenten, dass diese Reform – vom Bund ausgehend – auch von den Bundesländern aufgegriffen wird, um zumindest einheitliche und vergleichbare Standards einer Buchführung für die öffentliche Hand zu schaffen. Die Steiermark, Kärnten, Salzburg und das Burgenland gehen hierbei mit gutem Beispiel voran.

 

Ist der neue Beamte ein professioneller Manager?

„Wirkungsorientierung bedeutet aber keine bürokratischen Monster zu kreieren, sondern treffsichere und präzise Ziele zu definieren“, so Steger. Erst auf diese Weise wird politisch-strategische Steuerung möglich. Große Streitfrage und Kontroverse der Diskussion war, ob sich die betriebswirtschaftliche Logik überhaupt 1:1 auf die öffentliche Verwaltung übertragen lässt. Gerhard Steger bejaht dies klar: „Es gibt kein Managementsystem, das sich nicht auf den öffentlichen Sektor übertragen lässt. Die Ziele mögen unterschiedlich sein, aber letztlich geht es immer um das Erreichen und Steuern von Zielen, egal, ob es sich um öffentliche oder private Einrichtungen handelt.“ Bruno Rossmann hingegen sieht darin die Gefahr, dass inhaltliche Substanz verloren geht: „Privatwirtschaftliche Unternehmen sind den Eigentümern im Sinne der Profitmaximierung verpflichtet, die öffentliche Verwaltung aber hat mehrere und vielfach schwer zu messende Ziele im Fokus“. Es kann auch nicht jedes politische Ziel, das definiert wird – z.B. die Gewährleistung von Bildung – nur durch Sparsamkeit und erhöhter Effizienz erreicht werden. „Daher ist es schwierig, das privatwirtschaftliche Denken über den öffentlichen Sektor vollumfänglich zu stülpen“, so Rossmann.

 

Mut zu Management in der Verwaltung

„Wir haben so viele gute Leute im öffentlichen Dienst, die viel zustande bringen. Es liegt nicht an den Leuten, die da sind. Alles was wir zu nachhaltigen Reformen brauchen, liegt bereits aufbereitet als Konzept vor. Es verlangt vielmehr ein proaktives Handeln in der Verwaltung. Diese muss ihre Interessenslagen selbst zur Agenda machen und in diesem Zug der Politik aktiv ihre Ansätze vermitteln.“ Darin sieht Gerhard Steger die Lösung. Es bedarf eines guten Zusammenspiels von Politik und Verwaltung. Management muss als Bewusstseinsfaktor und Steuerungselement wahrgenommen werden, um dem Erreichen und Steuern von definierten Zielen in der öffentlichen Verwaltung gerecht zu werden. Abschließend dazu Thomas M. Klein: „Die Rolle der Verwaltung hat in den letzten Jahren an Komplexität zugenommen, deshalb gewinnen Strategien und betriebswirtschaftliche Instrumente wie das Controlling in diesem Bereich immer mehr an Bedeutung. Es ist wichtig, dass Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung Wirkungscontrolling als ein zentrales Instrument erkennen, das sie in der Managementbefähigung unterstützt“, resümiert der Gastgeber.

Fotogalerie
Bruno Rossmann (Abgeordneter zum Nationalrat der Grünen)Gerhard Steger (Leiter der Sektion 5 „Finanzen/Finanzausgleich“ des Rechnungshofs)Thomas M. Klein (Partner bei Contrast Management-Consulting)Publikum + Diskussionsrunde vlnr.: Gerhard Steger (Leiter der Sektion 5 „Finanzen/Finanzausgleich“ des Rechnungshofs), Thomas M. Klein (Partner bei Contrast Management-Consulting), Bruno Rossmann (Abgeordneter zum Nationalrat der Grünen)