• Übersicht
  • Archiv

Management Cercle „Future Retail”: Contrast EY und BILLA diskutierten die Zukunft des HandelsMANAGEMENT CERCLE „FUTURE RETAIL”:
CONTRAST EY UND BILLA DISKUTIERTEN DIE
ZUKUNFT DES HANDELS

15.11.2017
  • Strategie für die digitale Welt ist im Handel erfolgsentscheidend
  • Kunde als Individuum steht im Mittelpunkt des Handels der Zukunft – Retailer müssen Daten besser nutzen
  • Händler gegen Digital Champion: Der Wettlauf um die Gunst des Kunden hat begonnen – „Daten sind das neue Gold“
  • BILLA setzt auf individuelle und digitale Rundumversorgung der österreichischen Haushalte

Am 13. November luden Contrast EY, die Strategieberatungsmarke der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY Österreich, und BILLA zum Management Cercle „Future Retail“ ins Palais Ferstel. Rund 250 Geschäftsführer und Führungskräfte von österreichischen Top-Unternehmen aus dem Handel, aber auch anderen Branchen, sowie Gründer von Start-ups folgten der Einladung zu der hochkarätigen Veranstaltung, bei der die Zukunft des Handels in Österreich im Mittelpunkt stand.

 

Nach der Begrüßung durch Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich, erläuterte Martin Unger, Partner Contrast EY und Sector Leader Consumer Products & Retail bei EY Österreich, in seiner Keynote, welche Herausforderungen und Chancen die digitale Transformation für Handelsunternehmen mit sich bringt, welche Strategien der Handel im digitalen Zeitalter verfolgen soll und warum die neue Konkurrenz durch „Digital Champions“ nicht das Ende des stationären Handels bedeutet.

 

Im Anschluss präsentierten die BILLA-Vorstände Josef Siess und Robert Nagele die neue Strategie von BILLA. In einer von Werner Hoffmann, Vorstand des Instituts für Strategisches Management der Wirtschaftsuniversität Wien und Partner bei Contrast EY, moderierten Diskussion beleuchteten die Diskutanten Martin Unger, Josef Siess und Robert Nagele, wie sich der Handel in Österreich für die digitale Zukunft rüsten kann und muss.

 

Strategie für die digitale Welt ist im Handel erfolgsentscheidend

 

Contrast-EY-Partner Martin Unger eröffnete seine Keynote zu „Future Retail“ mit einer Frage an Österreichs Führungskräfte: „Sind Ihr Unternehmen und Ihr Geschäfts- und Vertriebsmodell auf das digitale Zeitalter und die Bedürfnisse der jungen Generation vorbereitet?“ Der zunehmende technologische Fortschritt und die veränderten Kundenbedürfnisse hätten aus Sicht von Unger zu einem weitreichenden Wandel geführt. „Der gesamte Handel befindet sich in einem massiven Transformationsprozess. Nie waren Geschwindigkeit und Ausmaß der Veränderung höher. Es gibt keine digitale Strategie mehr – nur Strategie in einer digitalen Welt“, erläuterte Unger.

 

Handel der Zukunft: Kunde als Individuum rückt in den Mittelpunkt

 

Um die durch die Transformation angestoßenen Veränderungen für Handelsunternehmen zu skizzieren, zog Unger einen Vergleich zwischen „Old Retail“ und „New Retail“: Bislang sei es die Aufgabe von Händlern gewesen, Filialen zu bauen, Regalmeter bereitzustellen, Regale mit Produkten zu befüllen und diese Produkte mit Massenmedien zu bewerben. In Zukunft stünde viel stärker als bisher der individuelle Kunde im Mittelpunkt, so Unger: „Der Händler der Zukunft erhebt und nutzt große Datenmengen, um Kunden individuell, über mehrere verschränkte Kanäle – Stichwort Omnichannel – mit einem bedürfnisorientierten Angebot anzusprechen. Der Kunde ist in einer digitalen Handelswelt mehr denn je König. Nur wer den Kunden mit den richtigen Botschaften auf der richtigen Etappe der Customer Journey anspricht, wird ihn auch wirklich erreichen.“

 

Händler gegen Digital Champion: Der Wettlauf um die Gunst des Kunden hat begonnen

 

Die datengestützte, individualisierte Ansprache von Kunden führe auch zu neuen Möglichkeiten der Kundenbindung, so Unger: „Der Weg ins Herz der Kunden führt vom Kontakt über die Beziehung und Bindung bis zur Begeisterung. Der Schlüssel dazu ist eine profunde, datenbasierte Kenntnis des Kunden. Daten sind das neue Gold, denn ohne Daten gibt es kein Geschäft“.

 

Dabei zeichne sich aus Sicht von Unger ein „Kampf um die Gunst des Kunden“ ab: „Wir erleben einen Wettlauf zwischen etablierten Händlern und digitalen Herausforderern. Die alles entscheidende Frage ist: Lernen die Retailer schneller ‚digital‘ oder die Digital Champions schneller ‚retail‘? Momentan haben die Digital Champions die Nase vorne – aber das Rennen ist noch lange nicht entschieden.“

 

Aus Sicht von Unger sei es zentral für etablierte Unternehmen in allen Branchen, sich schnellstmöglich mit der Digitalisierung zu beschäftigen und relevante Entwicklungen wie Big Data, Virtual bzw. Augmented Reality oder Artificial Intelligence anzunehmen – und dort, wo es sinnvoll ist, in das eigene Geschäftsmodell zu integrieren. „Der zentrale Trend der nächsten Jahre im Handel ist Omnichannel. Retailer müssen den Spagat zwischen digital und stationär schaffen. Sie müssen einerseits im Bereich E-Commerce aufrüsten und andererseits ihr Basisgeschäft in den Filialen weiterentwickeln und das stationäre Einkaufserlebnis wieder besonders machen. Die nahtlose Verknüpfung von Kanälen ist der Schlüssel für eine positive Customer Journey“, so Unger.

 

Kunden von Lasten befreien, individuelle Haushaltsversorgung sichern

 

Mit welcher Strategie sich BILLA als führender Lebensmitteleinzelhändler den neuen Herausforderungen und Chancen stellt, erläuterten die beiden BILLA-Vorstände Josef Siess und Robert Nagele. Sie unterstrichen die Rolle von BILLA bei der Befreiung der Kunden von den Lasten der Haushaltsversorgung und bei der Demokratisierung hochwertiger Lebensmittel. „Auch bei der Hauszustellung von Lebensmitteln war BILLA in Österreich Pionier - und wir haben diese Rolle konsequent ausgebaut. Wir liefern persönlich Online-Bestellungen an jede Postleitzahl in Österreich. Das macht kein anderer Lebensmitteleinzelhändler“, sagte Nagele. BILLA baut seinen Online Shop parallel zu den bestehenden 1.050 Filialen aus. 2016 stieg der Online-Umsatz um 160 Prozent an. „Wir wollen der individuelle Versorger der österreichischen Haushalte schlechthin sein – mit den Produkten und Leistungen, die gebraucht und nachgefragt werden. Wir sind für Österreichs Haushalte als 360 Grad-Nahversorger da – in unseren Filialen und mit unserem Online-Shop“, so Siess.

 

Fairer Steuer-Wettbewerb notwendig

 

Vor dem Einstieg amerikanischer Digital-Konzerne in die Branche fürchte man sich nicht, hieß es beim Management Cercle. Mit der vor einem Jahr beschlossenen neuen Strategie steuere BILLA klar in die richtige Richtung.  Außer Frage stehe aber, dass es faire Wettbewerbsbedingungen braucht: „Es kann nicht sein, dass jene leiden müssen, die wie BILLA Wertschöpfung und rund 19.000 Arbeitsplätze in Österreich sichern. Die großen Internet-Unternehmen sollen wie jedes andere Unternehmen dort Steuern abführen, wo sie tätig sind. Wo fairer Wettbewerb herrscht, gibt es keinen Grund, vor der Zukunft Angst zu haben“, sagten die BILLA-Vorstände.

Fotogalerie
Martin Unger (Partner Contrast EY, Sector Leader Consumer Products & Retail bei EY Österreich)