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Initiative Mercurius – der österreichische Kapitalmarkt muss attraktiver werdenINITIATIVE MERCURIUS – DER
ÖSTERREICHISCHE KAPITALMARKT MUSS
ATTRAKTIVER WERDEN

11.10.2012

Im Auftrag des Aktienforums erstellte Contrast Management-Consulting eine Studie mit dem Titel „Initiative Mercurius: Steigerung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des österreichischen Kapitalmarkts“. Autoren der Studie sind Werner Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Contrast Management-Consulting und Professor für Strategisches Management an der WU Wien sowie Andreas Feichter von Contrast Management-Consulting. Die Studie basiert auf einer umfangreichen Sekundäranalyse vorhandener Studien und Statistiken sowie den Ergebnissen von 40 Expertengesprächen, die mit namhaften Unternehmensvertretern und Repräsentanten nationaler und internationaler Organisationen geführt wurden.

 

Rückläufige Kapitalmarktentwicklung in Österreich am deutlichsten

 

„Seit 2007 zeigen fast alle wesentlichen Aktienmärkte rückläufige Tendenzen – allerdings ist der Rückgang in Österreich im internationalen Vergleich besonders drastisch ausgefallen“, erläutert Robert Ottel, Präsident des Aktienforums und Finanzvorstand der Voest Alpine AG die Motivation für die Initiative Mercurius und die daraus folgende Studie.

 

„Der Entwicklungsstand des österreichischen Kapitalmarkts entspricht in keiner Weise dem Reifegrad der österreichischen Volkswirtschaft“, stellt der Autor Werner Hoffmann fest. In fast allen entwickelten Industriestaaten kommt dem Kapitalmarkt zur Unternehmensfinanzierung eine wesentliche Rolle zu. Österreich hat in Relation zum Pro-Kopf-Einkommen im internationalen Vergleich einen relativ unbedeutenden Kapitalmarkt. „Österreich nimmt hier eine klassische Ausreißer-Position ein. Das liegt an der bisherigen Bedeutung des Staates als Unternehmenseigentümer und der besonderen Rolle der Banken“, meint Co-Autor Andreas Feichter.

 

Bedrohung für die exponierte Position

 

Österreich konnte diese exponierte Position aufgrund von zwei Besonderheiten lange ausreizen. „Erstens hatte der Staat in Österreich lange eine wesentliche Eigentümerrolle und zweitens agierten die Banken sowohl als Kreditgeber und häufig auch als Eigentümer“, meint Hoffmann. Beide Spezifika werden in der Zukunft weiter an Bedeutung verlieren. Der Handlungsspielraum des Staates ist aufgrund der Verschuldung und bestehenden zukünftigen Verpflichtungen zunehmend eingeschränkt. „Auch die Banken werden ihren Beitrag zur Finanzierung von Investitionen und Innovationen aufgrund des regulatorischen Korsetts (Basel III) und der zu erwartenden Zinslandschaft nicht im vollen Umfang aufrechterhalten können“, meint Hoffmann.

 

Verstärkte Finanzierung über den Kapitalmarkt

 

 „Unternehmen müssen wegen des Fehlens alternativer Möglichkeiten auch in Österreich verstärkt die Finanzierung über den Kapitalmarkt für Eigen- und Fremdkapital suchen“, meinen die Studienautoren. Derzeit ist der österreichische Kapitalmarkt weder für Unternehmen noch für Investoren besonders attraktiv. Nach Meinung von Hoffmann und Feichter ist unbedingt ein Maßnahmenpaket umzusetzen, das sowohl Angebot als auch Nachfrage am österreichischen Kapitalmarkt verbessert.

 

Angebot entspricht nicht den Ansprüchen internationaler Investoren

 

Der geringe Streubesitz und die geringe Branchendiversität der am österreichischen Kapitalmarkt notierenden Unternehmen werden von den befragten Experten kritisiert. Am Beispiel des ATX wird deutlich, wie eingeschränkt das Angebot ist.

 

„Rund 70 % des ATX basieren auf Finanzdienstleistern und aktuell bzw. vormals im öffentlichen Eigentum stehender Unternehmen, die häufig im Bereich der Grundstoffindustrie tätig sind“, erklärt Feichter. „Außerdem haben manche börsenotierten Unternehmen in den letzten Jahren auch an Wachstumsdynamik und Ergebnisentwicklung eingebüßt“, ergänzt Hoffmann.

 

Neben der geringen Diversität ist für internationale institutionelle Investoren vor allem das geringe Handelsvolumen problematisch. Niedrige Marktkapitalisierung und geringer Streubesitz wirken für internationale Investoren abschreckend. „Am österreichischen Kapitalmarkt haben wir derzeit aber beides. Eine geringe Kapitalisierung und bei vielen ATX-Unternehmen auch einen Streubesitz von weniger als 50 %“, stellt Feichter fest. Die Autoren betonen, dass für eine Verbesserung des Angebots weitere Privatisierungen in Form von IPOs und SPOs einen wesentlichen Hebel darstellen.

 

Dadurch könnten zwei wichtige volkswirtschaftliche Ziele gleichzeitig erreicht werden: Die Attraktivität des Kapitalmarkts würde steigen und die Staatsverschuldung sinken. Weiters müssen einige bereits gelistete Unternehmen ihre Performance nachhaltig verbessern.

 

Steigerung der Nachfrage

 

Als Stoßrichtung für eine Verbesserung der Nachfrage meint Hoffmann, dass „institutionelle Investoren zumindest teilweise aus ihrem Regulierungskorsett befreit werden müssen“. „Für Versicherungen, vormals eine wesentliche Investorengruppe am österreichischen Kapitalmarkt werden durch Solvency II Aktieninvestments faktisch unattraktiv“, meint Hoffmann. Auch Pensionskassen sollten aus Sicht der Autoren mehr Spielraum für Aktieninvestments erhalten. Weiters können Förderungen bzw. steuerliche Erleichterungen für private und institutionelle Investoren im Rahmen von „buy and hold“-Strategien – insbesondere im Rahmen der Altersvorsorge – positive Impulse für die Nachfrage am österreichischen Kapitalmarkt generieren.

 

Neue Bewusstseinsbildung für den Kapitalmarkt

 

Die Initiative Mercurius will die Kapitalmarktstimmung in Österreich nachhaltig verändern. Das grundlegende Kapitalmarktwissen in Österreich muss deutlich verbessert werden. Dadurch können auch das Vertrauen in den Kapitalmarkt gestärkt und Feindbilder abgebaut werden. Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass der Kapitalmarkt eine wichtige Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, breiten Wohlstand und soziale Sicherheit (insb. durch Mitarbeiterbeteiligung und Altersvorsorge) ist und es sich dabei nicht primär um eine Veranstaltung für Spekulanten handelt.

 

Hoffmann und Feichter betonen, dass isolierte Einzelmaßnahmen für eine Genesung des Kapitalmarkts nicht ausreichen werden, sondern ein umfassendes abgestimmtes Maßnahmenprogramm („Strategisches Sofortprogramm“) erforderlich ist, dessen Umsetzung von allen gesellschaftlichen Interessensgruppen getragen wird.

 

Rückfragehinweis

Dr. Andreas Feichter

Tel: +43 (01) 368 68 88-660

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