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Ausschüttungsverhalten österreichischer UnternehmenAUSSCHÜTTUNGSVERHALTEN
ÖSTERREICHISCHER UNTERNEHMEN

04.04.2014
Executive Summary

Ausgangssituation und Zielsetzungen

 

In regelmäßigen Abständen werden kritische Befunde zum Ausschüttungsverhalten österreichischer Unternehmen veröffentlicht. Conclusio dieser Analysen ist häufig, dass zu viele Mittel an die Eigenkapitalgeber ausgeschüttet würden, und aufgrund der daraus resultierenden Kapitalengpässe, Investitionen nicht realisiert werden könnten. Daneben sehen diese Untersuchungen häufig eine Bevorzugung des Faktors Kapital gegenüber dem Faktor Arbeit.

 

Zielsetzung der Studie „Ausschüttungsverhalten österreichischer Unternehmen“, die von Contrast Management-Consulting im Auftrag des Aktienforums und der Industriellenvereinigung durchgeführt wurde, ist die umfassende Erhebung des Ausschüttungsverhaltens führender österreichischer Unternehmen sowie die objektive Einschätzung des Ausschüttungsverhaltens  im Gesamtkontext der Investitionskraft, Mitarbeiter- und Steueraufwand der Unternehmen. Es sollte klargestellt werden, wie sich die Verwendung des Umsatzes und des Betriebsergebnisses auf die einzelnen Beobachtungswerte nieder schlägt.

 

Methodik

 

Die Studie basiert auf der detaillierten Analyse der IFRS-Jahresabschlussinformationen von 50 führenden österreichischen Unternehmen. Neben börsennotierten Unternehmen (Prime- und Mid-Market) wurden auch nicht-gelistete AGs und GmbHs berücksichtigt, sofern sie laut der Trend-500-Liste unter den Top-80 Unternehmen waren, nicht Teil eines ausländischen Konzerns sind und Jahresabschlussinformationen veröffentlichen bzw. beim Firmenbuch einreichen. Finanzdienstleister und Versicherungen wurden nicht in das Sample aufgegriffen.

 

Ergebnisse

 

Die analysierten Unternehmen konnten im Analysezeitraum 2007-2012 ihren realen Umsatz um 28% auf EUR 124 Mrd. steigern. Gleichzeitig wurden von den analysierten Unternehmen 26.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen – die meisten davon in der Industrie. Die Studie zeigt deutlich die Veränderung bei der Verwendung des Betriebsergebnisses auf: im Jahr 2012 wurden knapp 50% des Betriebsergebnisses für die Deckung der Aufwendungen für Fremdkapital bzw. der Körperschaftssteuer aufgebracht. Dies stellt eine wesentliche Veränderung gegenüber dem Ausgangsjahr 2007 dar (2007: 35,6%). Parallel dazu zeigen die Ergebnisse drastische Rückgänge bei den Ausschüttungen an die Eigenkapitalgeber und die Rücklagenbildung.

 

Betrachtet man die Entwicklung der Investitionen, des Jahresüberschusses nach Steuern und der Dividenden, zeigt sich für alle drei Indikatoren ein sukzessiver Rückgang seit dem Jahr 2007. Diese Werte reduzierten sich beinahe jeweils um die Hälfte.

 

Die Ausschüttungsquote im Verhältnis zum Jahresüberschuss nach Steuern verhält sich relativ konstant. Sie erreicht im Jahr 2012 36,6%. In der Interpretation dieses Wertes muss auch beachtet werden, dass sowohl der Jahresüberschuss nach Steuern als auch die Ausschüttungen um jeweils ca. 50% gesunken sind, der absolute Rückgang der Ausschüttung fällt aufgrund der geringeren Ausgangsbasis etwas moderater aus. Ungeachtet dessen sind die führenden österreichischen Unternehmen weit von der etwa in Deutschland geforderten Ausschüttungsquote von 50% entfernt.

 

Zusätzlich wird deutlich, dass in den Vergleichsjahren ein steigender realer Personalaufwand im Vergleich zu sinkenden Dividendenausschüttungen zu beobachten ist.

 

Bei der Analyse der Ausschüttungsrendite auf das Eigenkapital und die Rendite des Fremdkapitals, zeigt sich im Zeitraum 2007 bis 2012 eine klare Annäherung der beiden Größen. Beträgt der Unterschied zu Beginn noch knapp 1,9 Prozentpunkte so ist die Differenz zwischen Ausschüttungsrendite und Fremdkapitalrendite auf 0,4 Prozentpunkte gesunken. Dieser Effekt ist aufgrund des herrschenden Niedrigzinsniveaus durchaus überraschend.

 

Fazit

 

Im Vergleichszeitraum ist zwar ein Anstieg der Umsätze zu erkennen, aber gleichzeitig eine Verringerung der Jahresüberschüsse nach Steuern. Die Dividendenausschüttungen gingen in ähnlichem Ausmaß zurück wie die Investitionstätigkeit. Gleichzeitig stieg die Verwendung des Betriebsergebnisses für Steuern und Fremdkapitalzinsen. Dennoch ist es Unternehmen gelungen, wertvolle Arbeitsplätze zu schaffen. Der reale Personalaufwand ist im Verhältnis höher als die sinkenden Dividendenausschüttungen.

 

Eine zunehmende Vereinnahmung von finanziellen Mitteln durch die Unternehmenseigentümer  auf Kosten anderer Stakeholdern kann also nicht festgestellt werden. Vielmehr dient das Betriebsergebnis zunehmend zur Deckung der Körperschaftssteuerbelastung, des Personalaufwands und der Fremdkapitalkosten.