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1. Österreichischer Aufsichtsratstag1. ÖSTERREICHISCHER AUFSICHTSRATSTAG

28.03.2011
Der 1. Österreichische Aufsichtsratstag hat am 10. März 2011 an der Wirtschaftsuniversität Wien stattgefunden. Diese Veranstaltung wurde eingeleitet von einer Studie zum Stand der Corporate Governance in Österreich. Die Autoren Prof. Werner H. Hoffmann und Prof. Susanne Kalss befragten aus diesem Anlass Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsratsvorsitzende der 500 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich. Die Corporate Governance in Österreich zeigt in mehreren Punkten Entwicklungsbedarf.

Schlecht steht es um die Unabhängigkeit, da nur 22% der Aufsichtsräte unabhängige Außenstehende sind.

 

Der Zeitaufwand für Aufsichtsratsvorsitzende ist mit durchschnittlich über 22 Tagen relativ hoch für die im europäischen Vergleich unterdurchschnittliche Vergütung. Ganze 70% der Aufsichtsräte gaben an, pro Jahr weniger als 10.000 Euro für Ihre Tätigkeit zu bekommen. Es ist daher wenig überraschend, dass der Großteil der Aufsichtsräte die Vergütung in Österreich als zu niedrig erachtet und eine höhere Vergütung zur Steigerung der Wirksamkeit der Unternehmensaufsicht als wichtig ansehen.

 

Auch beim Thema Aus- und Weiterbildung herrschen noch große Defizite.

 

Auffällig ist auch, dass sich fast kein Gremium einer regelmäßigen Fremdevaluierung unterzieht. Dennoch halten fast 50% die Richtlinien des Kodex zum Thema Evaluierung für richtig und vertreten die Meinung, dass eine systematische Evaluierung der Aufsichtsratstätigkeit die Wirksamkeit der Aufsicht verbessert.

 

Auch die Performance der Unternehmen wurde in ihrem Zusammenhang mit der gelebten Corporate Governance Praxis untersucht, wobei sich hier Top-Performer durch einen dominanten Eigentümer (großteils Familienunternehmen) und keine bzw. nur eine geringere Beteiligung durch die öffentliche Hand auszeichnen. Auch die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte von Vorstand und Eigentümern ist bei den Top-Performern deutlich höher.

 

Die Studie und die Vorträge der Experten (u.a. Prof. Lutter, RA Weber-Rey, Prof. D‘Arcy) wurden im Anschluss von den 150 Teilnehmern des Aufsichtsratstag mit großem Interesse diskutiert. Unter den Teilnehmern befanden sich Aufsichtsräte wie z.B. Dr. Lemppenau (voestalpine AG) und Dr. Jordis (AUA, Erste, Generali), sowie Eigentümer aus der Industrie wie Familie Senger-Weiss und Mag. Kapsch als auch Vorstände aus Österreichs Konzernen wie Dr. Ruttenstorfer (OMV) und Mag. Wutscher (REWE). Dazu gesellten sich noch Fachexperten aus den Bereichen Recht, Beratung und Prüfung wie Dr. Schima (KSW), Mag. Unger (Contrast) und Dr. Milla (PwC).

 

Abgeschlossen wurde diese gelungene Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion mit Praktikern zum Thema: „Macht und Ohnmacht des Aufsichtsrats“. Mag. Kapsch, Dr. Michaelis, Dr. Rasinger, Dr. Rothensteiner und Gastgeber Prof. Hoffmann diskutierten hier lebhaft und teilweise kontrovers aktuelle Fragen zur Verbesserung der Wirksamkeit der Unternehmensaufsicht.

 

„Man kann sagen, dass die österreichischen Unternehmen erste Schritte in die richtige Richtung gemacht haben, aber noch lange nicht am Ziel einer optimal ausgestalteten Corporate Governance sind“, fassten die WU-Professoren und Veranstalter des Aufsichtsratstages Prof. Hoffmann und Prof. Kalss übereinstimmend zusammen.

 

Alle Presseartikel und Bilder zum 1. Österreichischen Aufsichtsratstag finden Sie unter http://www.aufsichtsratstag.at/rueckblick.html